Und so machen wir uns denn gegen halb Sechs Uhr auf den Weg zum Olivenhain. Was für ein Anblick! Dort, wo noch vor kurzem schier unüberwindliches Dickicht herrschte -in der Zwischenzeit habe ich erfahren, dass der Olivenhain während mehr als fünfzehn Jahren nicht mehr gemäht noch die Bäume geschnitten worden sind- beginnt nun bereits das erste Gras zu wachsen. Ein leiser Wind streicht sanft durch die stark gelichteten Baumkronen, silbrig-grün schimmern die Olivenblätter im Licht der untergehenden Sonne.
An mehreren Orten brennen noch kleine Feuer. Die grossen Brandflächen machen jedoch deutlich, dass es im Verlaufe des Tages wohl anders ausgesehen hat! "Oggi era molto caldo!" lacht Davide und wischt sich den Schweiss von der Stirn.
Die Arbeit der vier potini war von grossem Sachverstand geprägt. Von den siebenundsechzig Olivenbäumen mussten deren zwei bis auf den Stock zurück geschnitten werden, weil oberhalb des Stammes die Äste bereits dürr waren. Bei ein paar weiteren würde wohl der Ausdruck 'interventione forte' am besten zutreffen. Erst einmal aus den Unmengen von Brombeeren und Ginsterbüschen befreit, genügte es indes bei einer Vielzahl, nur die Kronen auszulichten. Dabei blieben auch Äste stehen, die bei einem 'normalen' Schnitt entfernt worden wären. Bei einer Intervention wie dieser ist es jedoch wichtig, den Bäumen genügend Äste und Blätter zu lassen, damit sie ihre Kraft und Energie darein lenken können und nicht vor lauter Stress nur Wassertriebe produzieren. Natürlich werden alle Bäume im kommenden Frühjahr noch einmal nachgeschnitten werden wollen, damit sie Schritt für Schritt die gewünschte Form erhalten.
Wir schlendern durch den Hain, geniessen den Ausblick auf die nahe gelegenen Hügel und erfreuen uns an dem, was sich dem Auge bietet. Und was ist das? Tatsächlich: Wilde Orchideen! Wahrhaft ein erhabener Moment - und der Moment, eine Flasche Prosecco zu entkorken und auf das gelungene Werk anzustossen.
Ja, und wer kommt denn da über die grosse Wiese angetrottet? Im ersten Moment trauen wir alle unseren Augen nicht - doch es besteht kein Zweifel: Aus dem Dickicht des weiter unten gelegenen Olivenhains nähert sich gemächlich und neugierig äugend ein Schwein! Nein, nicht ein Wildschwein, sondern ein Hausschwein. Leise grunzend trottet es an uns vorbei, zielstrebend wie es scheint, vorbei an den ersten Bäumen, hin zu einem ganz bestimmten, wie es den Anschein macht. Und beginnt genüsslich zu knabbern. Knack, knack - es sind Oliven, klein, schrumplig und trocken. Ja, wenn das nicht Glück bringt! Viva PROGETTO UNO - Es lebe der Olivenhain!
Was für ein wunderbares Projekt!
AntwortenLöschenWenn das nicht Glück bringt. Eine Super-Sache! Am liebsten wäre ich gleich wieder im Hain wie schon im April bei Beginn der Arbeiten. Daniele
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